Tag

reisen mit kindern

Browsing

* Please see English Version below *

Einfach einen Platz am Meer finden, dort noch eine Weile an den Strand, abends was Leckeres kochen, dann eine ruhige Nacht verbringen und am nächsten Tag ausgeruht weiter nach Süden fahren. Das ist unser Plan, als wir bei Lezhe von der E762 abbiegen und durch eine verlassene Touristengegend schließlich bei einer Strandbar ankommen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ist, dass aus der einen geplanten Nacht an diesem wunderschönen Ort ganze 6 Nächte werden. Wir sind bei Mario gelandet und bekommen „die volle Breitseite“ albanischer Gastfreundschaft zu spüren…

Sandstrand vor Marios Restaurant

Mario ist Albaner. Er ist der stolze Besitzer der Strandbar „Ledh“ bei Lezhe, südlich von Shkodra, ist außerdem einer der besten Automechaniker der Gegend und symbolisiert für uns wie kein Anderer die außergewöhnliche Gastfreundschaft Albaniens. Er bietet allen Reisenden den Parkplatz seines Restaurants direkt am Meer als kostenlosen Übernachtungsplatz an. Sofort bei der Ankunft fällt auf, dass das komplette Areal mit viel Liebe zum Detail errichtet wurde. Immer wieder findet man mit Muscheln verzierte Sitzecken, Dekoration aus Strandgut, Mobiles die sanft im Wind wehen. Jetzt, im Oktober, hat das Restaurant bereits geschlossen, so dass wir leider nicht in den Genuss der Kochkünste seiner Mutter kommen, die während der Saison hier kocht. Und doch steht die Tür seiner Bar jedem offen, die Veranda, die Toiletten, sogar den Strom und das WLAN zu nutzen… natürlich kostenlos. Er winkt nur ab, als wir fragen, ob wir wenigstens einen freiwilligen Betrag beisteuern können. Denn für ihn ist es viel wichtiger, Reisenden zu helfen, neue Bekanntschaften zu schließen und mulitkulturelle Gespräche mit seinen Besuchern zu führen.

Marios Strandbar „Ledh“

Dabei ist sein Leben bisher keineswegs einfach verlaufen und definitiv nicht von Überfluss und Sorglosigkeit geprägt. Bereits im Alter von sechs Jahren, erinnert er sich, musste er tagelang weggeworfene Aluminiumdosen sammeln und abgeben, um für die Familie etwas Geld zu verdienen. Denn selbst der Kauf von Brot und gutes Trinkwasser ist zu dieser Zeit nicht selbstverständlich…

Mit dreizehn hat seine Mutter gesundheitliche Probleme, daher bricht er seine Schulausbildung ab und fängt bei einer Autowerkstatt in Lezhe an. Für einen Euro pro Tag. Er macht schnell Fortschritte, zeigt mechanisches Talent und wird bald zu einem der besten Automechanikern der Gegend. 
Als ein Streit seines Brunders mit einer anderen ortsansässigen Familie zu eskalieren droht, zieht er die Notbremse und geht für eine kurze Zeit über Griechenland nach Amsterdam. Von dort gelangt er nach England, wo er zunächst als Hilfsarbeiter im Baugewerbe und zusätzlich an zwei Tagen pro Woche als Barkeeper arbeitet. Nach einiger Zeit gelingt es ihm, wieder bei einer Autowerkstatt einzusteigen, um nach 3,5 Jahren seine eigene Werkstatt zusammen mit einem ebenfalls albanischen Bekannten zu eröffnen.

Lezhe, eine albanische Kleinstadt südlich von Shkodra

2014 kommt er dann in seine Heimatstadt zurück. Er heiratet seine Frau, die er schon seit Kindertagen kennt und eröffnet auch hier in Lezhe seine eigene Autowerkstatt. Nach einiger Recherche erfährt er, dass am Strand ein verwildertes, ungenutztes Grundstück existiert, welches seiner Familie gehört. Er beschließt, dort ein Restaurant zu eröffnen, welches er nun seit 3 Jahren betreibt. Und in jedem Jahr wird es schöner dort. Denn Mario schafft es, dort eine unglaublich familiäre und gemütliche Atmosphäre für sowohl für  die Einheimischen, als auch für uns Reisende zu schaffen. Man fühlt sich sofort willkommen und aus der geplanten Übernachtung wird dann eben schnell eine Woche. Und so manch Reisender, wie Felix aus Köln, bleibt gleich für mehrere Monate, erweitert mit seinen Schreiner-Kenntnissen die Räumlichkeiten der Bar und wird in dieser Zeit gleich zu einem Teil von Marios Familie. Wir sind einfach nur dankbar, dass wir die Chance hatten, Mario kennenzulernen und durch seine offene, herzliche Art einen Einblick in die albanische Kultur und Lebensweise zu bekommen, die weit über die eines touristischen Besuchs hinausgeht. Mach weiter so, Mario. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen mit Dir.

Kiwi-Ernte vor Marios Haustür

English Version:
Just find a nice place by the sea, go to the beach for a while, cook something delicious in the evening, then spend a quiet night and continue south the next day all rested. This is our plan when we turn off the E762 at Lezhe, drive through a deserted tourist area and finally arrive at a beach bar. What we don’t know at this point is that the one planned night at this beautiful place turns into a full 6 nights. We arrived at Mario’s and get to experience „the full package“ of Albanian hospitality …

Mario is Albanian. He is the proud owner of the beach bar „Ledh“ near Lezhe, south of Shkodra, is also one of the best car mechanics in the area and symbolizes for us like no other the extraordinary hospitality of Albania. He offers all travelers the parking lot of his restaurant directly by the sea as a free place to spend the night. Immediately upon arrival, it is noticeable that the entire area has been built with great attention to detail. Again and again you can find seating areas decorated with sea shells, decorations made of drift wood, mobilés gently moving in the wind. Now, in October, the restaurant is already closed, so unfortunately we can not enjoy the cooking skills of his mother, who cooks here during high season. And yet the doors of his bar are open to anyone to use the veranda, the toilets, even the electricity and wifi… free of charge, of course. He only waves off when we ask if we can at least contribute a voluntary amount. Because for him it is much more important to help travelers, to make new acquaintances and to have multicultural conversations with his visitors.

Yet his life has been far from easy and definitely not characterized by abundance and carefree living. As early as the age of six, he recalls, he had to spend days collecting discarded aluminum cans and handing them in to earn some money for the family. For even buying bread and good drinking water is not a matter of course at that time….

At the age of thirteen, his mother has health problems, so he leaves school and starts working at a car repair shop in Lezhe. For one euro a day. He progresses quickly, shows mechanical talent and soon becomes one of the best car mechanics in the area. 

When a dispute between his brother and another local family threatens to escalate, he pulls the emergency brake and goes to Amsterdam for a short time via Greece. From there he arrives in England, where he first works as a contractor in the construction industry and additionally as a bartender two days a week. After some time he manages to get back to work at a car repair shop, and after 3.5 years he opens his own workshop together with an acquaintance who is also Albanian.

Then in 2014 he comes back to his hometown. He marries his wife, whom he has known since childhood, and also opens his own auto repair shop here in Lezhe. After some research, he learns that there is an overgrown, unused plot of land on the beach that belongs to his family. He decides to open a restaurant there, which he has now been running for 3 years. And every year it becomes more beautiful there. Because Mario manages to create there an incredibly familiar and cozy atmosphere for both the locals and us travelers. You immediately feel welcome and the planned overnight stay quickly turns into a week. And some travelers, like Felix from Cologne, stays for several months, expands the bar’s premises with his carpentry skills and becomes part of Mario’s family during this time. We are just thankful that we had the chance to get to know Mario and to get an insight into the Albanian culture and way of life through his open, cordial manner, which goes far beyond that of a tourist visit. Stay as you are, Mario. We are already looking forward to seeing you again.

Wisst ihr denn schon, wann genau, wohin genau?  Die Antwort darauf ist aktuell noch ein klares JEIN. Aber wir wissen, dass Kazymir in zwei Wochen unser neues Zuhause sein wird… und wieder ein Schritt auf unserem Weg…

Nachdem wir den April mit all seinen ungeplanten Herausforderungen endlich hinter uns lassen können, starten wir hier im Mai in die heiße Phase vor dem Reisebeginn. Dabei sind Kopf und Herz, Verstand und Bauchgefühl, permanent im Zwiegespräch. Mein eigenes, inneres, meines mit dem meines Mannes, meines mit dem meines Sohnes, meines mit dem meiner Tochter…Und jeder Tag ist  voller Zeitsprünge, in die Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft,  innerhalb weniger Augenblicke. Und meist steht die Frage dahinter: Was bedeutet es mir, kann es gehen, soll es bleiben, brauchen wir es auf unserer Reise? Was ist denn jetzt das Wesentliche? Und ist das Wesentliche für meinen Kopf das gleiche wie für mein Herz? Wie ist das bei euch?

Ja, und wir? Wir sortieren und packen Kisten, momentan gönnen wir uns noch den Luxus nicht einfach alles hektisch in Kisten zu packen (note to myself: mal sehen, wie lange noch), sondern dabei auch zu sortieren in: „Brauche ich nicht mehr“, „brauche ich nach der Reise“ und „brauche ich auf der Reise“. Dieses achtsame und hinterfragende Betrachten von mehr als 10 Jahren Familienleben in diesen 4 Wänden, diese vielen kleinen Schätze, Kinderzeichnungen, Erinnerungen, Gegenstände, Spielsachen, Kuscheltiere, Bücher sind das Eine. 

Dann sind da noch unsere To-Do Listen für jeden Raum, die allgegenwärtig an der Eingangstür hängen, die immer wieder ein Häkchen erhalten (Abhaken = großartig) haben. Und wir merken beim Aussortieren, Verkaufen und Verschenken… mit jeder Kiste wird es leichter. Nicht nur dieses Haus, sondern auch wir. Das tut gut. Eigentlich, denke ich, sollte man alle paar Jahre zumindest so tun, als würde man ausziehen und mindestens zwei (besser vier) Wochen Zeit haben… so kann man wirklich einigen Ballast abwerfen und die Dinge, die uns wirklich glücklich machen, entsprechend würdigen, die Fotos endlich einkleben, die Kinder-Malereien endlich mal zu einem Buch binden lassen und die aufgegangene Naht am Lieblingskleid endlich mal nähen. Kennt ihr das? Diese Kiste mit unvollendeten Projekten? Nicht, dass wir die jetzt alle erledigen könnten, aber manches vielleicht schon, und anderes darf einfach gehen… weil es einfach nicht mehr wesentlich ist und ein kleines unvollendetes Projekt darf dann auch noch in eine Kiste wandern (Psst, aber nicht Adrian erzählen).

 Unserer tierischen Mitbewohner, die Meeris und die Fische haben den Umzug in ihre liebevollen Pflegefamilien gemeistert. Das war ein großer Sorgen-Punkt auf unserer Liste. Wer wird sich um unserer Tiere kümmern? Wie wird es für die Kinder? Basti und Tara schwanken noch zwischen Abschiedsschmerz und dem Wissen, dass es ihren Tieren dort echt gut geht. Daher ist es toll, dass sie jederzeit zu unseren Freunden radeln können, um ihre Meeris zu besuchen. 

Und dann ist da noch das Andere:  die Orte. Zuhause. Und doch sind es viele kleine Orte, denen unser Herz gehört. Orte, die wir mit Erlebnissen verbinden, die uns glücklich machen: der Balkon zum Frühstücken, der Lieblingssessel zum Lesen, das Trampolin auf dem Kinder und Meerschweinchen gemeinsam gekuschelt haben (note to all: Don’t worry, es wurde nicht gesprungen, sondern Mensch und Tier lagen und saßen mit Klee- und Grashäufchen entspannt auf dem weichen warmen Untergrund), die Abendsonne, die immer durch das Küchenfenster reinscheint und unsere Gesichter anstrahlt, wenn wir abends kochen oder abspülen, je nachdem wie spät wir dran sind, die Hochbetten, an denen wir abends standen (und stehen oder wahlweise auch mit drin liegen) und unsere schlafenden Kinder bestaunt haben, der Platz vor dem Holzofen im Wohnzimmer, der den ganzen Winter über, der heißbegehrteste ist, zum Vorlesen, Spielen, Yoga üben, Yoga unterrichten, für Familienrat-Runden, zum Kino Abend, zum Dinner, zum einfach mal ins Feuer zu schauen oder um dort in Elternnähe abends einschlafen zu können, wenn das eigene Zimmer einfach mal nicht der richtige Ort ist….

Also, sind es eigentlich doch eher die Momente, die die Orte, die wir lieben, und in denen wir voll und ganz – wir – sein dürfen, ausmachen. 

Und bevor dieser Text zu lange wird, höre ich schnell auf, denn hier warten noch einige Stapel auf uns… Jetzt sitzt Tara mit der potentiellen Reise-Bastelkiste vor mir und die ist noch viel zu groß…. Denn man tau (wie der Bremer sagt), und nicht zu lange überlegen.  Denn…

Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.“  (Siddhartha Gautama Buddha)